CD Kritiken aus der Zeitschift Tangodanza:
Adios Marinerovon Alfredo de Angelis (El Bandoneon EB 35)Eine der ersten CDs meiner Sammlung und immer noch eine meiner Favoriten. Besonders die unvergleichlich fließenden "Valses" sind es, die auf fast jeder Milonga auch die müdesten Füße wieder auf die Tanzfläche ziehen. "Pobre Flor", "Soñar y nada mas" und "No vuelvas Maria" gehören eindeutig zu meinen persönlichen Top 10 unter den Valses und ziehen jeden Tänzer in ihren Bann. Die weichen, melodiösen Duos der Sänger Carlos Dante und Julio Martel begleiten das Orchester in fast allen Stücken. Die Stimmen passen sich dabei wunderbar ins Orchester ein und drängen die anderen Instrumente nicht in den Hintergrund, so dass alle Stücke sehr gut tanzbar sind.Die Ausgewogenheit von Melodie und Rhythmus macht die Musik gleichermaßen geeignet zum Hören und zum Tanzen. Mit 13 Tangos, 7 Valses und 2 Milongas erhält man viel gute Musik für sein Geld. Garrit Fleischmann (Frankfurt) (erschienen in der Tangozeitung Tangodanza 1999)top of page Cuatro Manos con el Tango / Four hands for tangovon Puro Apronte (WeltWunder Records, CD WW 304-2)Um es gleich vorweg zu sagen: Was diese Scheibe auszeichnet, ist das druck- und kraftvolle, rythmisch schwungvolle Spiel, welches in Adern bzw. Beine übergeht. Der Bandoneonist Peter Reil und der Pianist Robert Schmidt (Tango Real Quartett) geben mit dieser Platte eine eindrückliche Kostprobe ihres musikalischen Könnens. Beide Musikanten vermögen leise weiche aber auch explosive und harte Klänge anzuschlagen, Spannungsbögen aufzubauen und aufzulösen. Die Stücke - allesamt Tango-Standards - sind abwechslungs- und nuancenreich arrangiert. Das hervorragende Zusammenspiel der Musiker ist durchweg überzeugend. Die Musik kommt aus einem Guss und erreicht zuweilen eine solche Dichte, welche den geneigten Hörer immer wieder vergessen lässt, dass hier "nur" zwei Musiker mit vier Händen am Werk sind.Mir gefallen besonders gut: "Inspiración" (sehr ausdrucksstark und durchaus tanzbar), "El Amanecer" (einfach fein), und "Quejas de Bandoneon" (für viele eher jenseits der Grenze zum Tanzbaren). Insgesamt bietet die Scheibe sechs tanzbare Stücke, darunter zwei Milongas, wobei "La Puñalada" etwas an Originalität vermissen lässt, die sonst für die Scheibe typisch ist. Mein Favourit auf dieser CD ist daher die zweite, die "Milonga de Mis Amores" - einfach mitreissend! - da kann der Tänzer nicht stillsitzen bleiben. Zusammenfassend kann ich sagen: Reil und Schmidt bieten zeitgemässen Tango mit der Kraft eines Orchesters, jedoch mit dem Charme handgemachter Musik, bei der die Spielfreude überspringt. Meine Empfehlung: Hör- und Tanzgenuss garantiert. Hans Peter Salzer (Weingarten) (erschienen in der Tangozeitung Tangodanza 1999)top of page A Media Luz (1935 1942)von Edgardo Donato (El Bandoneon EBCD-95)Tango mit Gesang das ist immer eine Frage des Geschmacks. Die einen mögens, die anderen weniger und manche überhaupt nicht. Ich mags und so ist es kein Zufall, dass meine Wahl auf die Donato-Scheibe fiel, auf der sich unter 20 Titeln nur eine Instrumentalnummer findet. Ansonsten geben sich 1 Sängerin und 3 Sänger die Ehre und begleiten Donatos Ensemble meisterhaft. Für Kenner: Es singen Lita Morales, Hugo del Carril, Horacio Lagos und Romeo Gavio. Und sie singen allesamt wunderbar!Präsenz und Emotionalität der Interpreten/in sind in jedem Moment zu hören; dennoch drängen sie sich nicht in den Vordergrund. Besonders eindrucksvoll empfinde ich die Stellen, bei denen Töne im Pianissimo gesetzt und leicht anschwellend gehalten werden, ohne dass die Tonhöhe ins Wanken käme Sangeskunst auf höchstem Niveau. Der Hörer hat zudem den Eindruck, dass es "laute" Passagen für den Gesang eigentlich nicht gibt. Die Interpreten/in vermögen kräftig zu singen, ohne jemals ins Schreien zu verfallen (im Übrigen eine Unart, die leider viele zeitgenössische Interpreten schick zu finden scheinen). Wunderbar anzuhören sind auch die schnellen Läufe, die dem/der Sänger/in ein hohes Maß an musikalischer und sprachlicher Präzision und Virtuosität abverlangen, besonders wenn sie im Duett gesungen werden. Und immer singen die Sänger/in mit dem Ensemble ohne jedoch ihren eigenen stimmlichen Charakter zu vernachlässigen. Beim Hören der Platte fällt auf, dass Donato wohl eine romantische Seite hatte. Einige Stücke können so richtig zu Herzen gehen, wie "Mi Serenata", bei dem Lita und Romeo im Duett förmlich dahinschmelzen (wer da nicht mit dem Herzen tanzt, ist selber schuld). Andere sind geprägt durch ihre ansteckende Fröhlichkeit, wie "Muchacho de Cafetin" oder "Sinfonia de Arrabal", bei welchem Donato gar drei Stimmen einsetzt. Sehr schön sind auch "La Melodia del Corazon" (klingt leicht nach Operette), "Estrellita Mia", "Campo Afuera" (gefällt mir hier besser als das Original von Biagi) und "Repique del Corazon" (einfach eine wunderschöne Milonga). Donato wird noch zur Alten Garde gezählt und hat durchweg einen klaren Rythmus. Die Modulationen des Gesangs erlauben es dem geneigten Tänzer aber auch, Melodien zu interpretieren. Somit ist eigentlich für jeden was dabei. Insgesamt finden sich auf der Scheibe 15 Tangos, 2 Valses und 3 Milongas allesamt hervorragend tanzbar und dazu geeignet, die Freude am Tanzen zu heben. Fazit: Auflegen und genießen! Hans Peter Salzer (Weingarten) (erschienen in der Tangozeitung Tangodanza 1|2000)top of page Tangovon El Arranque (CD Vaiven 425.086)El Arranque ist ein junges Orchester aus Buenos Aires welches eine eigenen Stil gefunden hat ihre Tangos zu spielen. Sie haben übrigens im Oktober 99 eine Tournee in Europa gemacht.Als ich diese CD das erste Mal hörte war ich nicht überzeugt, doch schon beim zweiten hinhören begann ich diesen mir noch unbekannten Stil sehr zu mögen. Daher lohnt es sich dieses Orchester mehrmals zu hören. Ihre Art die Musik zu spielen geht einem nicht sofort ins Blut über, aber nach mehrmaligem hinhören entdeckt man den Zauber ihrer Interpretationen. Was mich erstaunt hat, ist das dieses junges Orchester sich getraut die Tangos auf neue Art zu spielen und sie versuchen überhaupt nicht Astor Piazzola zu kopieren wie viele junge Nachwuchsorchester. Das ist ja die Faszination am Tango, das die "alten Orchester" alle ihren eigen Stil hatten, voran sie zu erkennen sind, und somit der gleiche Tango ganz anders tönt. Mit "alte Orchester" meine ich Formationen welche heute nicht mehr existieren oder wie z.B. Los Reys del Tango, Neuvo Quinteto Real, Sexteto Mayor etc. El Arranque spielt einen Stil von einer Art Kammermusik, sehr fein, filigran und nicht sehr schnell, doch mit gut erkennbaren Rhythmuswecheln und einer schönen Harmonie. Z.B. das 2 Stück "Canaro en Paris", ein sehr schneller Tango, interpretieren sie auf ihre persönliche Art wesentlicher langsamer als wir dieses Stück kennen. Auch ihre Interpretation von "Recuerdo" , einer meiner Lieblingstangos, ist erwähnenswert und zum Teil überraschend. Einzig die Aufnahmen mit dem Sänger Marcelo Barberis finde ich nicht gelungen. Das Ensemble hat jetzt einen neuen Sänger der mir wesentlich besser gefällt. Diese CD ist sehr empfehlenswert, sowohl zum Tanzen wie zum Hören. Neben den oben erwähnten Tangos sind die Stücke "El Arranque", "Lorenzo", Zorro Gris", "El Taura" und "El Abrojito" sehr gut tanzbar. Leider ist der einzige Vals "La Serenat del Ayer" gesungen. Schade das nur 12 Stücke auf dieser CD aufgezeichnet sind. Daniel Montangero (Zürich)
(erschienen in der Tangozeitung
Tangodanza 1|2000) Nobleza de Arrabalvon Francisco Canaro y su Quinteto Pirincho (El Bandoneon EB 90)Diese CD zeichnet sich dadurch aus, dass alle 20 Stück sehr gut tanzbar sind und ist für Tangoanfänger sehr geeignet. Zudem sind alle Aufnahmen rein orchestral und es sind nur Tangos. Ich finde dies ist eine sehr gelungene Compilation von El Bandoneon.Canaro mit seinem Orchester Quinteto Pirincho der den Traditionalisten seiner Zeit zu zurechnen ist, hat einen sehr klaren, einfachen und regelmässigen Rhythmus und bleibt doch sehr melodiös. Im Gegensatz zur CD "Quinteto Pirincho en FM Tango" sind alle Stücke nicht so schnell gespielt. Obwohl der Takt gut wahrnehmbar ist und dadurch die Tangotänzer sofort zum Tanz fordert, ist er doch irgendwie diskret. Lässt den Melodien genügend Raum sich zu entfalten ohne aber den klaren Rahmen des Compas zu verlassen bzw. das die Melodien eine eigene Dynamik entwickeln. Dies ist keine Musik die den Tänzern zu grosser Kreativität inspiriert, sondern ist gemütlich und auch mit einfachen Elementen sehr schön zum tanzen. Besonders hervorheben möchte ich "Duelo Criollo", welches für mich die schönste Interpretation ist, die ich je gehört habe. Auch "Loca", El Garron" stechen aus den anderen Stücken hervor. "Quejas de Bandoneon" das ganz anders wahrnehmbar ist als dieses bekannte Stück von Triolo gespielt, finde ich hat etwas sehr humorvolles, witziges, beschwingtes und verspieltes. Daniel Montangero (Zürich)
(erschienen in der Tangozeitung
Tangodanza 1|2000) Milonga Vieja Milonga (DZ 3001)Wie jeder Milonga-Freund und besonders jeder Tango DJ weiß, gibt es leider viel zu wenige reine Milonga CDs. Genau diese Lücke in der Musikversorgung aller Tangoabhängigen haben das Team des CD-Versands Danza y Moviemiento in Hamburg erkannt. In Zusammenarbeit mit Leuten aus der Hamburger Szene versuchen sie, diesem Mangel mit dieser CD zumindest ein wenig entgegenzuwirken.Ausgewählt wurden die Stücke aus den CDs des spanischen Labels "El Bandoneon", die im Laufe der letzten Jahren 100 Tango CDs rausgebracht haben. Bis auf "Milonga sentimental" von Canaro, die für meinen Geschmack mit unter 80 Takten pro Minute viel zu langsam ist, sind alle Stücke sehr gut tanzbar und geben einen schönen Querschnitt durch die Musik der wichtigsten Orchester in den 30er und 40er Jahren, der goldenen Ära des Tango. "Exotische" Milongas wie von "Los Tubatango" oder moderne Milongas wird man hier vergeblich suchen. Juan D'Arienzo ("Der König des Rhythmus") ist mit 4 Stücken am stärksten vertreten, dicht gefolgt von Francisco Canaro und Pedro Laurenz mit 3 Stücken. Rodolfo "Manos Brujos" Biagi - der ehemalige Pianist von D'Arienzo - und Roberto Firpo warten je mit 2 Milongas auf, alle anderen Interpreten, darunter Anibal Troilo und Osvaldo Pugliese, sind mit nur einem Stück vertreten. Alle diese Namen stehen für rhythmisch klare und sehr gut tanzbare Musik. Unter den insgesamt 22 Milongas befindet sich auch einer meiner persönlichen Lieblinge: Canevalito von Lucio Demare, wie der Name schon sagt eigentlich ein Karnevalslied, aber von Demare als Milonga arrangiert. Auf sehr schnelle und sehr langsame Milongas wurde (mit der einer Ausnahme) bei der Auswahl glücklicherweise verzichtet, die meisten bewegen sich zwischen 104 und 112 Takten pro Minute, also bei sehr gut tanzbaren Geschwindigkeiten. Wer für Übungszwecke sehr langsame Milongas sucht, wird hier nur begrenzt fündig werden und sollte sich mal bei Francisco Canaro umschauen. Das Ordnungsschema bleibt allerdings Geheimnis der Macher, jedenfalls sind die Stücke weder nach Tempo, Aunahmedatum oder Interpret geordnet. Ein deutliches Plus für diese CD: alle Stücke wurden im Tonstudio mit einem Rauschfilter nachbearbeitet, so dass weder Rauschen noch Knacken den Hör- und Tanzgenuss beeinträchtigen. Fazit: Diese CD bietet eine knappe Stunde rauschfreies Milonga-Vergnügen mit den großen Orchestern des Tango und ist für jeden Tänzer und DJ eine Bereicherung der Plattensammlung. Garrit Fleischmann (Frankfurt) (erschienen in der Tangozeitung Tangodanza 1|2000)top of page The Story of Tango Vol. 8von Nuevo Tango Real (Mariposa MPCD-3064)Vermutlich werden Tangofreunde, welche das Nuevo Quinteto Real noch nicht kennen, beim ersten Hören stutzen und noch einmal genauer hinhören. Richtig: Da ist eine E-Gitarre zu hören, wie wir sie vom Jazz oder aus der Tanzmusik kennen. Dies klingt selbst für aktuellen Tango ungewohnt, was wohl in der Hauptsache daran liegt, dass die meisten Tango-Ensembles Elektronik nur zur akustischen Verstärkung benutzen. Den Tänzern auf der Piste fällt dies weniger auf sie tanzen auf das, was sie hören, und das sind (mit einer Ausnahme) schlicht und einfach schöne gute Tangos!Da spielen hervorragende Musiker zusammen, die ihr Handwerk seit Jahrzehnten verstehen. Die Arrangements sind fein abgestimmt, die Aufnahmen technisch einwandfrei. Temperamentvolle und zurückhaltende Passagen gehen ebenso organisch in einander über, wie die Melodieführung. Es ist wunderbar zu verfolgen, wie Piano, Bandoneon und Violine aufeinander eingespielt sind und sich abwechseln. Kunstvoll auch die Einwürfe des Pianos locker verspielt und ohne Anstrengung. Hin- und wieder klingen beinahe schon zu sanft ein paar schräge Akkorde mit, wie bei Piazzolla. Irgendwie erinnern mich die Interpretationen der meisten Stücke an 50er-Jahre Tangos. Etwas sentimental mit einen klaren Compas, der zuweilen - jedoch nie überraschend - verlangsamt oder gedehnt wird und beim Tanzen für willkommene Abwechslung sorgt. Hier zeigt sich beispielsweise eine Stärke der Formation: Sie begleitet die Tanzenden bei den Tempiwechseln förmlich. Die Hörer/innen finden auf dieser Scheibe insgesamt 12 Stücke, wovon 10 zum Tanzen geeignet sind. Schön gespielt zwar, lässt der Vals "La Pulpera De Santa Lucia" doch etwas an Schwung vermissen - tanzbar, aber mit genießender Zurückhaltung. Der Tango "La Llamo Silbando" dagegen gefällt mir nicht in der Melodie phantasielos, empfinde ich manche Passagen sogar nervend. Zwei weitere Stücke wiederum sind sehr schön eingespielt, wenn auch an der Grenze zum Tanzbaren: "Homenaje A Pedro Laurenzo" und das besonders gefühlvolle "Adios Muchachos". Gefühlvoll sind auch die anderen Tangos, dazu noch phantasievoll und abwechslungsreich. Am besten gefallen mir "Vida Mia", "Nueve De Juli" und "El Choclo" - gut aufbereitete Klassiker, bei denen Hören und Tanzen gleichermaßen Vergnügen bereiten. Fazit: Eine CD, die ihre Liebhaber finden wird! Hans Peter Salzer (Weingarten) (erschienen in der Tangozeitung Tangodanza 2|2000)top of page El Violin Romantico del Tangovon Alfredo Gobbi (El Bandoneon EB 63)Alfredo Gobbi gilt als der Zigeuner des Tangos und er war einer der wenigen, der alle Tango Instrumente beherrschte und eine sehr grosse Kenntnis des Tangos hatte. Leider gibt es nur wenige Aufnahmen seines Schaffens, da er ausgiebig das Nachtleben von Buenos Aires kostete. Diese CD ist sowohl ein besonderer Leckerbissen für Hörer wie für Tänzer, wobei sie weniger geeignet ist für Tango Anfänger. Der einzige Minuspunkt dieser CD ist die zum Teil minderwertige Qualität der Aufnahmen.Obwohl seine Stücke einen regelmässigen Takt aufweisen, hat Alfredo Gobbi es verstanden die Instrumente so einzusetzen bzw. die Melodien so zu spielen, dass der Eindruck entsteht, der Rhythmus wechsle. Sehr abwechslungsreich und voller Farben, zugleich mit einem sehr ausgeprägten Takt und in gewissen Passagen langgezogen und wehmütig. Seine Musik geht den Tänzern sofort ins Blut und sobald man sie hört beginnen sich die Beine von selber zu bewegen. Seine Musik ist spannend und herausfordernd, da er die Tänzer zwingt seinen Melodien zu folgen. Einfach gesagt: seine Musik ist sehr intensiv. Für mich einer der ganz grossen Tango Interpreten. Die beiden Stücke "El Andariego" und "Orlando Goni", die er selber geschrieben hat, sind schlicht genial. "La Catrera" ein wunderschönes Stück ist leider sehr schlecht aufgezeichnet. Herausheben möchte ich auch noch "La Viruta", "Independiente Club", "Racing Club" "Puro Apronte" und "Neuve Puntos". Neben Tangos finden wir auch 3 Vals , die aber zum Teil mangels Qualität zum Tanzen nicht geeignet sind. Daniel Montangero (Zürich)
(erschienen in der Tangozeitung
Tangodanza) Domingueravon Tango al Sur (Myron LAM 1017)Dominguera ist die neuste CD von Tango al Sur aus Belgien, erschienen Ende des Jahres 1999. In den letzten Jahren ist besonders die erste der drei CDs dieser Gruppe in Deutschland sehr populär und hier besonders die "flämischen Tangos", gesungen von Dirk van Esbroeck.Viele wissen, dass der Sänger und Guitarrist Dirk van Esbroeck Mitglied von Tango al Sur ist, zu meiner grossen Überraschung wissen jedoch die wenigsten, dass Alfredo Marcucci ebenfalls Gründungsmitglied ist. Er ist einer der wenigen noch lebenden Altmeister des Bandoneon, Schüler von Julio de Caro und Mitglied in seinem Orquester. Marcucci spielte später bei anderen legendären Orquestern, wie dem von Carlos di Sarli. Er lebt seit langem in Belgien und war in den 70er Jahren nicht mehr als Bandoneonist aktiv. 1982 endeckten die Folkmusiker Dirk van Esbroeck und Juan Masondo, dass dieser Bandoneonist der alten Garde bei ihnen in Belgien wohnte. Van Esbroeck wuchs in Argentinien auf und Masondo wurde in Cordoba geboren, so dass beide mit der Tango Musik vertraut waren. Sie überzeugten Marcucci, mit ihnen einige Aufnahmen von Tangos und argentinischer Folklore zu machen. Das war die Geburtsstunde von "Tango al Sur" und die Aufnahmen erschienen auf ihrer 1. CD. Die 2. CD Liberata (1995) und Dominguera sind jedoch reine Tango CDs, obwohl einige Stücke immer noch einen folkloristischen Einschlag haben.
Nach dieser etwas langen Vorgeschichte nun doch noch ein paar Worte zur CD selber.
Von den 18 Stücken sind nur ca. 1/3 der Stücke zum Tanzen geeignet, darunter die Titelmilonga Dominguera und der Vals Palomita Blanca. Letzterer ist im Moment mein Favorit bei den tanzbaren Stücken auf dieser CD, vor allem wegen seines hervorragenden Arrangements des Zussamenspiels der vier Musiker (Bandoneon, 2 Guitarren und Violine). Garrit Fleischmann (Frankfurt) (erschienen in der Tangozeitung Tangodanza 2|2000)top of page Al Compás del Corazónvon Miguel Calo (EMI Reliquias 8374132)Etwas im Schatten der großen Namen wie Juan D'Arienzo, Anibal Troilo, Pugliese, De Angelis, Biagi oder Francisco Canaro gibt es einen Tangomusiker, von dem ich an dieser Stelle die CD "Al compás del corazón" vorstellen möchte. Der Name des Musikers ist Miguel Calo. Geboren wurde er am 28. Oktober 1907. Bevor er selber ein Orchester leitete, spielte er u.a. in dem von Osvaldo Fresedo. Leider gibt es von ihm nicht so zahlreiche Aufnahmen, wie von vielen seiner Kollegen. Aber auf der wunderbar schnörkellos arrangierten CD "Al compás del corazón" wird ein exzellenter Querschnitt der Arbeit von Miguel Calo präsentiert. Die harmonischen Tangos mit ihren klaren Taktvorgaben lassen die Tänzer geradezu über das Parkett schweben - und die an den Tischen Verbliebenen träumen davon, daß die Nacht niemals enden möge."Al compás del corazón" ist eine CD, bei der man tatsächlich jedes Stück genießen kann. Zum Zuhören - und zum tanzen! Keines der Stücke langweilt. Und diese CD ist nicht nur musikalisch hörenswert, sondern auch stimmlich: Die Tangos dieses Tonträgers werden ausschließlich von Raul Beron gesungen, der aus einer Musikerfamilie stammt. Beron war in den 40er Jahren einer der wichtigsten Tangosänger. Seine Art zu singen wurde zu einem Markenzeichen, das einen besonderen Stil und Qualität versprach - und hielt. Der melancholische Ausdruck seiner Stimme schwebt über den Instrumenten, die ihn sanft begleiten. Und dass, ohne aufdringlich kitschig zu wirken. Raul Beron arbeitete u.a. auch mit Musikern wie Lucio Demare, Francini-Pontier oder Anibal Troilo zusammen. Auf der CD befinden sich 13 Tangos. Darunter das `Titellied´ "Al compás del corazón", der Klassiker "Triztezas de la calle corrientes" und der ausdrucksstarke Tango "Que te importa que te llore". Außerdem die Milonga "Milonga Antigua" und die schwungvolle Candombe "Azabache". Der Vals "El vals soñador" bildet einen glanzvollen Höhepunkt. Und, wie schon erwähnt, sind alle Stücke tanzbar. Bei jedem Takt spürt man, dass bei der Zusammenstellung viel Liebe zur Tangomusik verwendet wurde. Diese CD hebt sich wohltuend von dem inzwischen großen, jedoch teilweise qualitätsmäßig durchschnittlichem Angebot an Tangomusik ab. Aufgenommen wurden die Stücke auf dieser CD zwischen 1942 und 1944. Die Qualität ist sehr gut. Ein nervendes Rauschen ist kaum bis gar nicht wahrzunehmen. Erschienen ist die CD bei EMI-Odeon SAIC Argentina in der Reihe "Reliquias". In Deutschland ist sie bei den einschlägigen Weltmusik-Fachgeschäften wie z.B. Canzone in Berlin oder Danza Y Movimiento erhältlich. Online bei diversen Internet-Anbietern.
Jörg Buntenbach
(erschienen in der Tangozeitung
Tangodanza 2|2000) Milonga de mis Amoresvon Pedro Laurenz (El Bandoneon EB 82)Pedro Laurenz war ein hervorragender Interpret und Komponist, welcher mit vielen ausgezeichneten Tangomusikern zusammen gearbeitet hat. Er hat unter anderen mit Pedro Maffia im Orchester von Julio de Caro gespielt, mit Alfredo Gobbi und in den 60er Jahren mit dem berühmten Quienteto Real, um nur einige wenige zu nennen. Leider sind heute nur sehr wenige Aufnahmen von ihm auf dem Markt erhältlich. CDs von ihm unter anderen Labels produziert, enthalten mehr oder weniger die gleichen Aufnahmen wie diese CD, mit wenigen Ausnahmen. Übrigens stammt die berühmte Milonga "Milonga de mis Amores" aus seiner Feder, um nur ein Beispiel zu nennen.Pedro Laurenz hat es auch verstanden, die verschiedenen Sänger sehr gut in seine Interpretationen einzufügen, womit sich seine Musik sehr gut zum Tanzen eignet. Der Zuhörer kommt aber nicht zu kurz, denn er gibt jedem Instrument seine Stimme und seine Interpretationen enthalten viel mehr "Reichtum", als man im ersten Moment hört. Er hatte einen massgebenden Einfluss auf den Tango. Die Aufnahmen dieser CD stammen aus den 40er und 50er Jahren. Seine Musik zeichnet sich dadurch aus, dass alle Stücke einen regelmässigen Takt haben, sehr melodiös sind und mit einem leichten wehmütigen Unterton durchzogen sind. Dieser wehmütigen Unterton ist auch in den 3 Vals sowie 4 Milongas zu hören. Trotz diesem Unterton, sind seine Stücke nicht traurig sondern leicht und verführen bzw. laden die Tänzer augenblicklich zum Tanz ein. Seine Interpretationen sind einfach gesagt: schön. Diese Musik eignet sich sowohl zum Tanz mit einfachen Elementen sowie des Tanzen mit grosser Kreativität und komplexen Abläufen. Diese CD ist ein Muss für jeden Tangotänzer, alle Stücke sind sehr gut tanzbar und auch gut geeignet für Anfänger. Für mich gehört Pedro Laurenz zu den ganz grossen Tangointerpreten und Komponisten seiner Zeit. Er ist heute sicherlich nicht so bekannt in Europa, da wenige Aufnahmen vom ihm existieren. Hervorheben möchte ich trotzdem mein Lieblingsstück auf dieser CD "Garua". Daniel Montangero (Zürich)
(erschienen in der Tangozeitung
Tangodanza 3|2000) Ausenciavon Osvaldo Pugliese (EMI 8 35886 2 ,1995))Osvaldo Pugliese (1905-1995) war einer der ganz großen Persönlichkeiten des Tango. Seine Musik inspiriert auch heute noch heute noch Tänzer und Musiker mit seinen anspruchsvollen und doch gut tanzbaren Tangos. Dass er auch unter Kollegen eine Institution war zeigt eine Episode der Tangogeschichte: Bevor Astor Piazzolla das erste mal öffentlich mit dem 'Octeto Buenos Aires' seine neuen Kompositionen spielte (später als "Tango Nuevo" bekannt), fragte er Pugliese, ob dies auch wirklich Tango sei, bevor er auftrat. (Was dieser dann auch zu Piazzollas Freude bestätigte.)
Als Pugliese 1939 sein erstes Orchester gründete, glich der Stil stark dem von de Caro. Doch schon bald entwickelte er seine eigene, unverwechselbare Interpretation des Tango.
Die CD Auscencia wurde im Todesjahr von Osvaldo Pugliese (1995) herausgebracht und ist eine Zusammenstellung einiger seiner größten Erfolge und eine Hommage auf einen der bedeutendsten Tangopianisten und Orchesterleiter. Leider sind auf dem etwas spartanischen Beiheft die Aufnahmedaten nicht vermerkt, ich gehe jedoch davon aus, dass die meisten Aufnahmen vom Ende der 40er und Anfang der 50er Jahre stammen. Fazit: Eine wunderbare CD für jeden, der Pugliese liebt oder ihn kennenlernen will. Ein Muß für den Pugliese-Freund, der diese Interpretation von "Desde el Alma" noch nicht hat. Garrit Fleischmann (Frankfurt) (erschienen in der Tangozeitung Tangodanza 3|2000)top of page Inspiraciónvom Tango Real Quartett (WeltWunder Records, WWCD 305-2)Die aktuelle CD des Berliner Quartetts bietet eine Reihe von derzeit wohl angesagten und oft eingespielten Tangos. Laut Booklett sind alle Themen dieser CD "gleichermaßen dem Konzertsaal und dem anspruchsvollen Tanz verpflichtet". Nach meinem Gefühl jedoch liegt das Gewicht tendenziell stärker auf dem "Konzertsaal": Die Mehrzahl der Stücke fordert selbst von geübten TänzerInnen das ganze Können sind also sehr anspruchsvoll und Piazzollas "Adios Nonino" ist in dieser Einspielung jenseits der Grenze zum Tanzbaren.
Dennoch findet der geneigte Tänzer Tangos, die in die Beine gehen. "Felicia"
ist frisch und kräftig und lädt förmlich zum Tanzen ein ein Opener für
Tanzrunden und daher wohl auch das erste Stück auf der Scheibe. Genauso
schwungvoll klingt "Canaro En Paris". "Danzarin" wurde sehr akzentuiert
eingespielt und ist tanzbar im Pugliese-Stil.
Die vier Musiker spielen keinen eigenständigen durchgängig unverwechselbaren
Stil. Sie orientieren sich bei ihren Interpretationen an verschiedenen
Maestros und Ensembles und schaffen es, unterschiedliche Stile in ihrem
Repertoire zu haben. Dabei gelingt es ihnen, das Vorbild aufzunehmen und
durch eigene Interpretationsimpulse eine gewisse Note einzuarbeiten. Da sind
beispielsweise wuchtig akzentuierende, ja treibende Schläge im Rythmus,
deutliche Synkopierungen, starke Dehnungen und plötzliche Tempiwechsel mit
weiten gehaltenen Spannungsbögen zu hören, die weit über die Originale
hinausgehen. In der Lautstärke loten die Musiker das gesamte Spektrum aus
und hin und wieder klingen in den Milongas bei genauerem Hinhören leicht
jazzige Phrasierungen durch. Fazit: Leider keine Spitzenscheibe, für Fans des Berliner Ensembles jedoch eine Empfehlung! Hans Peter Salzer (Weingarten) (erschienen in der Tangozeitung Tangodanza 3|2000)top of page "TANGO FEDERICO - a dancemaster's choice"Sampler (Jasmine JASCD 354)In dieser Ausgabe der Tangodanza schwärme ich von einem Tango-Sampler, der mich vom ersten bis zum letzten Tango überzeugt. Die CD heißt "Tango Federico - a dancemaster's choice" und ist beim Londoner Label `Jasmine´ erschienen. Die Tangoorchester auf diesem Tonträger tragen klangvolle Namen. Von Juan D'Arienzo über Anibal Troilo bis hin zu Francisco Canaro, um nur einige zu nennen. Jeder einzelne der insgesamt 25 Tangos ist tanzbar. Aber auch, wenn man nur zuhört und ein Glas Rotwein genießt, läßt die Musik dieser CD einen in die Welt des Tangos eintauchen.Gleich das erste Stück "Alma De Bohemio" von Francini-Pontier y su Orquesta Tipica mit dem Sänger Alberto Podesta animiert dazu, eine Tangoschönheit aufzufordern oder sich ein weiteres Glas Rotwein zu bestellen, um über das Leben und die Liebe nachzudenken. Beim dritten Titel wird es beschwingter: Der Vals "Pobre Flor" von Alfredo de Angelis y su Orquesta Tipica mit den Sängern Carlos Dante & Julio Martel flirtet mit den Tangueras und Tangueros. Und gleich danach hebt die Milonga "El Lloron" von Roberto Firpo y su Quarteto nochmals die Stimmung, um beim fünften Titel wieder etwas mehr Dramatik ins Spiel zu bringen: Der melancholische und ausdrucksstarke Tango "Que Falta Que me Haces" von Miguel Calo y su Orquesta Tipica und dem Sänger Alberto Podesta ist für mich einer der schönsten Tangos überhaupt. Das Arrangement ist bestechend. Unwillkürlich zieht man seine Partnerin bei diesem Tango noch näher an sich heran - oder das Glas Rotwein wird zur besten Freundin gekürt, um dem Leben nicht alleine die Stirn bieten zu müssen. Auch über die weiteren Stücke könnte ich philosophieren, aber noch besser ist es, diesen Tonträger direkt auf sich wirken zu lassen. Zudem befindet sich im Inlay eine Beschreibung jedes Titels. Hier macht sich Senor Federico, der sich für die Zusammenstellung verantwortlich zeigt, seine eigenen Gedanken über jeden einzelnen Tango dieser CD (in Englisch). Neben den beschriebenen Titeln befinden sich noch 11 Tangos, 5 Vals und 5 Milongas auf dieser Compact Disc. Alles ausgesuchte und erstklassige Stücke. Bei keinem der Tangos hat man das Gefühl, dass er nur `dazwischengerutscht´ sein könnte. Wenn ein Tango auf dieser CD zu Ende geht, fühle ich mich hin und her gerissen, denn zum einen trauere ich dem vergangenen nach, zum anderen freue ich mich jedoch auf den nächsten Titel. Und schließlich befinde ich mich im Garten der Illusion: Beim Vals "Un Jardin De Illusion" vom Fransico Canaro Orquesta und der Sängerin Ada Falcón und dem Sänger Ernesto Fama werde ich meinem Glas Rotwein untreu und verspreche einer fremden Tanguera, den Rest der Nacht mit ihr zu tanzen. Die CD "TANGO FEDERICO - a dancemaster's choice ist jedoch keine Illusion. Man kann sich von Anfang bis Ende hineinfallen lassen in diese Tangomusik! "TANGO FEDERICO - a dancemaster's choice" ist 1999 im Label Jasmine erschienen. Die Bestellnummer: JASCD 354.
Jörg Buntenbach
(erschienen in der Tangozeitung
Tangodanza 3|2000) El Inmortal "Pichuco" (1941)von Anibal Troilo (El Bandoneon EB 1)Anibal Troilo (1914-1975, Spitzname "Pichuco") gehörte zu den großen Orchesterleitern der goldenen Jahre des Tango (Ende der 30er bis Anfang der 50er Jahre) und ist für viele bis heute der größte Bandoneonist der Tangogeschichte - zumindest was den traditionellen Tango betrifft.Was hierzulande vielleicht die wenigsten wissen: Astor Piazzolla spielte bis 1944 im Orchester von Anibal Troilo, ist also auch auf dieser CD mit Aufnahmen von 1941 zu hören, allerdings nur als einer von 5 (!) Bandoneonisten - von Tango Nuevo noch keine Spur. Stärker im Vordergrund steht der Sänger Fiorentino, der viele Jahre mit Troilo zusammenarbeitete. Tangosänger waren damals sehr beliebt und hatten großen Einfluß auf den Ruf eines Orchesters, dominierten jedoch nicht so wie beim "Tango Cancion" der 20er und 30er Jahre, denn es sollte vor allem für Tänzer gespielt werden. So setzt auch der Gesang bei Tangorchestern dieser Zeit im allgemeinen erst in der zweiten Hälfte eines Stückes ein.
Im ganzen sind die Arrangements auf dieser CD melodiöser als beim sehr rhythmusbetonten Tango der 30er Jahre, aber gut tanzbar. Ein typisches Merkmal ist der Wechsel von fließend und stakkato gespielten Abschnitten. Mit seiner weichen und melodiösen Stimme fügt sich Fiorentino wie ein weiteres Instrument nahtlos in das Orchester ein. Die Grundstimmung ist fröhlich, manchmal etwas unruhig, das Tempo der Stücke mittel bis schnell.
Mit dieser CD startete das spanische Label "El Bandoneon" 1989 seine Serie von Tangoaufnahmen, die mittlerweile über 100 Titel umfasst.
Ich selber habe eine besondere Beziehung zu der Musik dieser Platte: Fazit: Lebhafte, durchweg gut tanzbare Musik eines der ganz großen Orchester des Tango mit einem hervorragenden Sänger, allerdings nichts für Freunde des rein instrumentalen Tangos. Garrit Fleischmann (Frankfurt)
(erschienen in der Tangozeitung
Tangodanza 4|2000) "RECUERDO"von Alberto Castillo (bei EMI ODEON SAIC Argentina in der Serie "Reliquias" erschienen. Bestellnummer: 8374152)Alberto Castillo, geboren am 7. Dezember 1914, war einer der großen Tangosänger, der vor allem in den 40er-Jahren brillierte. Er arbeitete mit diversen Tangomusikern zusammen. Erfolge feierte er vor allem auch mit dem Orchester von Ricardo Tanturi.Castillos Stil ist für mich unverwechselbar - und vor allem immer wieder erfrischend. Auf der CD "RECUERDO" befinden sich insgesamt 16 tanzbare Titel, die auf wundervolle Art und Weise das breitgefächerte Repertoire Castillos widerspiegeln. Bis auf eine Ausnahme wurden alle Tangos zwischen 1943 und 1946 aufgenommen. Die Klangqualität ist sehr gut. Das erste Stück "Amarras" ist ein gefühlvoller Tango, der sanft auf diesen Tonträger einstimmt. Etwas sachlicher, aber voller Harmonie zwischen Instrumenten und Sänger, folgt das Stück "Y SONO EL DESPERTADOR", bevor der Vals "RECUERDO" seinen unwiderstehlichen Charme versprüht. Das vierte Stück dieser CD, eine Aufnahme vom 28.10.1953, ist ein Beispiel dafür, wie Alberto Castillo es immer wieder verstand, ganz individuelle und überraschende Akzente zu setzen: "SIGA EL BAILE" ist eine Candombe, die die Tanzfläche einer Milonga erfrischend aufmischt. Danach geht es dann mit "LA QUE MURIO EN PARIS" im bekannten Tangorhythmus weiter, der anschließend vom Vals "LUNA DE ARRABAL" abgelöst wird. Darüber hinaus befinden sich 5 weitere Tangos, 2 Vals, die Milonga "VESTIDO PUNZO" und eine Candombe-Milonga auf dieser Castillo-CD. Besonders erwähnen möchte ich auch das Stück "CHAROL", ebenfalls eine Candombe-Milonga, die für mich den Höhepunkt dieses Tonträgers bildet. Die 46 Minuten Musik auf dieser CD sind kurzweilig, abwechslungsreich und meiner Meinung nach zum Hören genau so gut geeignet, wie zum Tanzen. Jeder Tango hat seine eigene Melodie, seine eigene Seele. Die einzelnen Stücke sind unverwechselbar und voller Taktgefühl. Die angenehme Stimme Alberto Castillos drängt sich nicht auf, sondern ergänzt sich charmant mit den Instrumenten. Man kann sich hineinfallen lassen in die Musik dieser CD, deren Abschluß der Vals "LA PULPERA DE SANTA LUCIA" bildet und der dazu ermuntert, die Repeat-Taste auf dem CD-Player zu drücken - damit die Welt sich weiter im Genuß dieser Musik drehen möge... Jörg Buntenbach (Berlin)
(erschienen in der Tangozeitung
Tangodanza 4|2000) Tangueros de Holandavom Orquesta Sexteto Canyengue (CD TdH 1997-1)Sexteto Canyengue ist das bekannte Orchester aus Holland welches sicherlich vielen bekannt ist und dies ist die vierte CD welche sie herausgegeben haben. Was dieses zeitgenössische Orchester auszeichnet ist einerseits, dass sie Musik spielen vor allem für Tänzer, anderseits ein grosses Ensemble ist für heutige Zeiten.Dadurch können sie einen wesentlich intensiveren "Sound" erzeugen als kleinere Formationen. Diese CD wurde aufgenommen mit der "alten" Zusammensetzung unter anderem mit Leo Vervelde (Bandoneon), Wim Warman (Piano) und Boris Visser (Violin) die heute leider nicht mehr dabei sind. Der geistige Mentor von Sexteto Canyengue ist Osvaldo Pugliese, welchem sie mit ihrer Art die Musik zu interpretieren jedesmal wieder ein Denkmal setzten. Kopf und Herz des Sexteto Canyengue ist Carel Kraayenhof der mit einer Bescheidenheit und grossen Liebe den Tango spielt was sich auf das ganze Orchester auswirkt. Wie die Musik von Pugliese ist auch diese CD sowohl ein Hörgenuss wie auch wunderschön zum tanzen, aber sehr anspruchsvoll und für Anfänger nicht geeignet. Da die Stücke sehr abwechslungsreich sind, zum Teil kräftig farbig mit einem starken "Compass" und dann wieder leicht, verträumt und melancholisch. Für jeden Tanzenden jedesmal eine Herausforderung und gleichzeitig reisst einem die Musik mit, dass man nicht still sitzen kann. Als speziellen Leckerbissen sind auf dieser CD drei Stücke welche Mitglieder des Ensemble selber komponiert haben; nämlich "Colores de Tango", welches eine Homage an das Orchester von Osvaldo Pugliese Color Tango ist; "Clavel rojo" eine Annerkung an Osvaldo Pugliese und an das Symbol erinnert (als Pugliese von den Militärs gefangen gehalten wurde, legte man eine rote Rose auf die Klaviertastatur), sowie "Para Lalo y Mirta". Die CD enthält zwei Milongas "Milonga de mi Amores" und "Corralera" mit einer modernen Interpretation, wo zum erstenmal Salsa Rhythmen enthalten sind. Somit widerspreche ich meinem Kollegen, Hans Peter Salzer, welcher in der letzten Nummer von Tango Danza die CD von Tango Real "Inspiration" rezitiert hat in bezug auf Salsa Sequenzen in einer Milonga. Die dritte Milonga "Orillera" fängt mit einem einem eigenwilligen Candombe Rhythmus an und ist sehr schnell. Der Vals "Motivo de Vals" von Horacio Salgan ist eine sehr gelungene Interpretation, wo das Sexteto Canyengue durch eine Klarinette, gespielt von Jan Jansen, ergänzt wird, was diesen Vals etwas leichtes, fröhliches und beschwingtes gibt. Jan Jansen spielt auch in den beiden Milongas "Milonga de mis Amores" und "Corralera" mit. Für die Stücke "El Marne", "Verano Porteño" und "Pata ancha" wurde das Sexteto durch ein Viola ergänzt, gespielt von Roderick Krauss nach der Interpretation von Color Tango. Auch die restlichen Stücke auf dieser CD sind erwähnenswert und ich denke für jeden Tangoliebhaber eine kleines Schmuckstück in seiner Sammlung. Und wer das Sexteto Canyengue schon einmal live gehört hat, kann sich ihrer Musik einfach nicht entziehen, sondern wird jedesmal innerlich tief berührt und ich empfehle jedem dieses Orchester live zu hören. Da eine CD Aufnahme nie und nimmer einen Liveauftritt ersetzten kann. Daniel Montangero (Zürich)
(erschienen in der Tangozeitung
Tangodanza 4|2000) Reliquias Porteñasvom Tango Andorinha Sextett (Unicornio Records, UR 34014)Seit Jahren macht das Andorinha Sextett bei Live-Auftritten und Tourneen Furore. Wenn ich den Namen "Andorinha" höre, dann in Verbindung mit einer Empfehlung oder einem begeisterten Bericht von einem Ball. Die Andorinhas gehören zweifelsohne zu den beliebtetsten deutschen Tango-Ensembles. Nun haben sie ihre erste Scheibe produziert nach Jahren erst und aufgrund der immer stärker werdenen Forderungen des tanzenden Auditoriums.Die Vermutung liegt nahe: das Sextett aus Dresden sieht sich selbst als Live-Ensemble und das hört man dieser Produktion irgendwie an. Aktuell aufgenommene Scheiben strotzen oft nur so vor Perfektion und Klangqualität - da werden alle verfügbaren Tonspuren belegt, mit Hall und mannigfaltigen (Computer-)Effekten einzeln nachbearbeitet und Instrumente künstlich "hochgezogen" ja, manche CDs sind regelrecht basslastig! Nicht so bei dieser Scheibe, die demgegenüber verhältnismäßig trocken und mit einem spröden Charme daherkommt. Der ist zunächst gewöhnungsbedürftig. Was sofort auffällt, ist der "fehlende" Hall, welcher sich auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt. Die Musiker spielen zusammen, wie bei einem Live-Mitschnitt. Da sind die Abstimmungen nicht immer ganz perfekt, manchmal kommt ein Instrument oder ein humorvoller Schlag eine Spur zu leise durch und vereinzelt "reibt's" auch mal in der Intonation. Wegen letzterem kann ich diese CD zum reinen Hören nur eingeschränkt empfehlen. Wer sich von dem unplugged-Charakter der Scheibe jedoch nicht abschrecken lässt, wird bei mehrmaligem Hören den Stil der Andorinhas gewiss schätzen lernen. Die Zusammenstellung der Titel und auch der Arrangements ist gelungen, wie selten bei einer aktuellen Produktion, das rhythmische Zusammenspiel der Musiker kommt aus einem Guss, Spielfreude und Spielwitz klingen durchweg durch und es scheint schnell klar: diese Platte ist für Tanzende gemacht. Und die finden darauf 16 animierende und tanzbare Tangos, Milongas und Valses akzentuiert gespielt und flott mit durchgängigem Compas. Manche Stücke sind durch Passagen im Pugliese-Stil etwas anspruchsvoller, für meine Begriffe jedoch immer noch tanzbar. Mit "9 De Julio", "Boedo", den Milongas "Reliquias Porteñas" und "El Esquinazo", sowie dem Vals "Lagrimas Y Sonrisas", finden die Tanzenden eine handvoll absoluter "Hits" zudem eine Reihe nicht ganz so bekannter aber gut ausgewählter Titel und mit "Contrastes" und "Bando" gar zwei Raritäten von Piazzolla. Die Musik ist einfach lebendig, geht in die Beine und animiert den geneigten Tänzer, auf die akzentuierten Schläge, auf die kleinen Stopps, die lustigen Einwürfe, oder die sparsam eingesetzten Dehnungen in seinen Schritten zu antworten. Die ersten Tests im Salon hat die Scheibe gut bestanden und so kann ich sagen: Sie ist ohne Frage dazu geeignet, die Freude am Tanzen zu heben. Fazit: Einfach gut tanzbar! Hans Peter Salzer (Weingarten)
(erschienen in der Tangozeitung
Tangodanza 4|2000) Tangos Bajosvon Daniel Melingo (Waska Records 51571, zusammen mit DBN)"Was ist denn das?", "Die muss ich unbedingt haben!", "Klingt total gut, irgendwie nach Paolo Conte oder so..." - so kommen Tanzende auf mich zu, wenn diese Scheibe läuft - und das jedes Mal. Er sticht im Laufe eines Tanzabends einfach heraus, dieser Melingo, ist schwer einzuordnen, irgendwie leicht crazy und dennoch - oder gerade deshalb - ungemein sympatisch.Mit "Tangos Bajos" hat Daniel Melingo eine der außergewöhnlichsten Tangoscheiben der letzten Jahre herausgebracht. Man stelle sich vor: Eine männliche Stimme, vollkommen untypisch irgendwo in Richtung Leningrad Cowboys oder Tom Waits angesiedelt, mal mitteltief trällernd, mal im tiefsten Bass brummend, dazu immer rauchig - solch eine Stimme singt Tango. Und das überraschend einfach, solide und ausgesprochen gut. Zur Freude der Tanzenden kommt dazu, dass die Stücke bis auf wenige Ausnahmen durchweg tanzbar sind, mit einem klaren und hervorragend hörbaren Compas (Rhythmus). Dabei kommen die Tangos von Melingo kommen eher gemütlich daher; andante - gehend - eben. Das soll beileibe nicht heißen, dass sie nicht in die Beine gehen. "Ayer", mein Favourit auf dieser Scheibe, z. B. vermag auch noch zu später Stunde die Tanzenden auf die Fläche zu bringen und sie ganz in ihrem Element aufgehen zu lassen - eine Qualität, die sonst eher flotteren Stücken, wie den Valses oder Milongas zugesprochen wird. Ein weiteres Stück, das mir besonders gut gefällt ist "Narrigon", eine experimentelle Milonga, oder besser gesagt: eine Fusion von Candombe, Milonga und Zamba, irgendwie liebenswert verrückt und auch nicht ganz leicht zu tanzen - also nichts für Tango-Puristen - anderen Tänzern bereitet sie jedoch die helle Freude! Desweiteren bietet dieser Silberling eine Reihe solider Tangos, alles neue und eigene Stücke, nett zu hören, überwiegend gut zu tanzen und auch zum Üben gut geeignet - es muss ja nicht immer Di Sarli sein... Eine Anmerkung sei mir mit Rücksicht auf die Nachbarschaft erlaubt: Vor Drücken der Play-Taste den Bassregler ganz runter drehen! An diesem Punkt merkt der geneigte Hörer dann doch, dass Melingo ursprünglich aus dem Rock-Pop-Fach kommt. Ansonsten jedoch - so bestätigen die Fachleute - spielt er beinahe "klassisch". Und auch das gefällt mir: Melingo zeigt, dass neue, zeitgemäße Tangos nicht unbedingt immer "nuevo" - im Stile von Pugliese oder Piazolla - klingen müssen. Bleibt zu wünschen, dass wir noch mehr von ihm hören werden. Fazit: Tanzbar und kultverdächtig. Hans Peter Salzer (Weingarten)
(erschienen in der Tangozeitung
Tangodanza 1|2001) Tango BarZusammengestellt von Jörg BuntenbachZum 4-jährigen Jubiläum der "Tangobar" im Berliner Jazzclub b-flat hat der dort aktive Tango-DJ eine CD zusammengestellt. Sein Name ist Jörg Buntenbach und regelmäßigen Lesern der Zeitschrift Tangodanza ist er auch als Rezensent von Tango CDs bekannnt.Die CD soll laut Beiheft einen Querschnitt der Musik eines Abends im b-flat wiederspiegeln, besonders die verschiendenen Musikstile - nicht nur die "klassischen" argentinischen Tangos, sondern auch internationale Interpretationen des Tango aus den 20er und 30er Jahren, sowie andere Rhythmen wie die Foxtrotts von Enrique Rodriguez. Wie typisch die Musik für einen Abend im b-flat ist, kann ich nicht beurteilen (leider war ich noch nicht dort). Ob es überhaupt möglich ist, auf einer CD mit 21 Titeln die Stimmung einer Milonga einzufangen, erscheint mir etwas zweifelhaft. Ein Tanzabend verläuft meiner Erfahrung nach jedesmal etwas anders und verlangt vom DJ ein Eingehen auf die Stimmung. Aber zumindest erhält man den Eindruck, dass man im b-flat immer gut ist für eine musikalische Überraschung -Tänzer mit eher konservativem Tango-Musikgeschmack sind also vorgewarnt. Doch zur Musik selber: viele schöne Stücke bekannter Orchester (D'Arienzo, Calo, de Angelis, Canaro, Fresedo, Pugliese, ...) sind hier in Sets zusammengestellt, wie sie vielleicht auch auf einer Milonga laufen könnten. Alle Stücke sind gut tanzbar - vorausgesetzt man kann sich damit anfreunden, Milonga auf Foxtrott-Musik zu tanzen. Da ich selber ein besonderer Freund der Foxtrotts von Enrique Rodriguez bin, kann ich jedoch jedem nur empfehlen, es einmal zu probieren. Aber auch zum Zuhören ist die CD gut geeignet, und sie bietet auch Neulingen in Sachen Tango einen Überblick über die Reichhaltigkeit der Musik. Die Informationen im Beiheft hätte ich mir (grade von einem DJ) allerdings etwas umfangreicher gewünscht - auch wenn das vielleicht nur meine Sicht als DJ ist. Es sind nur Titel und Interpreten der Stücke aufgeführt, leider fehlen Hinweise auf die Art der Musik (Tango, Vals, Milonga, Foxtrott,...), und obwohl alle bis auf ein Stück von Sängern begleitet werden, finden ihre Namen leider auch keine Erwänung. Daher zumindest an dieser Stelle ein Überblick: 8 "argentinische" Tangos, 3 Vals, 2 Foxtrotts, 1 Milonga, 1 Candombe, eine marschartige Milonga, 4 "internationale" Tangos und als Bonus Track das wunderschöne Stück "La Mer" von Charles Trénet. Fazit: Eine sehr schöne CD zum Hören und Tanzen, mit leider etwas spärlichen Informationen im Beiheft. Garrit Fleischmann (Frankfurt)
(erschienen in der Tangozeitung
Tangodanza 4|2000) Candombevon Francisco Canaro y su Orquesta Tipica 1941-1949, (El Bandoneón, EBCD 108)Diese Scheibe kann der geneigte Leser getrost auflegen, einfach durchlaufen lassen und genießen! Das gilt freilich nicht für den Tanzabend, wohl aber für den heimischen CD-Player. Zu hören sind 20 typische Canaro-Tangos aus den goldenen Jahren des Tango, beinahe alle hervorragend zum Tanzen geeignet. Begleitet wird Canaros Orchester von insgesamt acht Sängern - auf höchstem Niveau und verschiedentlich in Duetten - die schon stimmlich für Abwechslung sorgen. Überhaupt ist das das Schöne an dieser Zusammenstellung: sie wird nach mehrmaligem Hören nicht langweilig. Die Stücke folgen aufeinander, als wären sie auseinander herausgewachsen.Jedoch: Dieser Silberling bietet nicht nur viel für den Musikgenuss in den eigenen vier Wänden - er ist auch für meine Funktion als DJ interessant. Ich habe mir darauf 18 Titel vermerkt, die beim Auflegen dann auch zum Zuge kommen. Die CD bietet einfach eine gut sortierte Auswahl für verschiedene Tandas (Sets). Da sind flottere Stücke mit gutem Compas oder rhythmischen Akzenten ebenso zu finden, wie leicht schmalzig-romantische. An manchen Stellen "singt" sanft eine elektrische Orgel, ein Glockenspiel oder eine gedämpfte Trompete mit, sparsam und sehr bewusst eingesetzt - der geneigte Hörer hat das Gefühl, es passt immer so richtig dazu. Für Abwechslung sorgen eine Tango-Milonga, zwei Milongas und eine total ausgelassene Candombe, sowie drei wunderschöne Valses. Und alles in überraschend guter Qualität, was mich besonders freut. Zu meinen Lieblingen auf dieser Scheibe gehören die Tangos "En esta tarde Gris", "Toda mi vida", "En el viejo Café" - alle drei einfach wunderschön - dazu "Copa de ajenjo", "Cristal" und "El Choclo". Von den Valses gefallen mir besonders "Anemonos" und "Soñar y nada mas" - sowieso einer meiner Lieblingsvalses; hier in einer etwas verhaltenen, ja beinahe zärtlichen Version - wer¹s zulassen kann: da geht einem förmlich das Herz auf! Ebenso findet sich meine Lieblingscandombe mit dem wenig verheißungsvollen Titel "Candombe". Dafür kommt sie so schwungvoll, witzig und fröhlich daher, dass manche Tanzenden zunächst verwundert in Richtung Mischpult schauen - "Haben wir hier jetzt Volksfest?" - sich dann aber doch anstecken lassen. Unterm Strich kommt heraus, dass die CD gute Qualität und Abwechslungsreiches bietet, viele schöne Stücke, weniger Mitreißendes, dafür aber viel, bei dem Tanzende wie Hörende mitschwingen können. Fazit: Einfach richtig gut. Hans Peter Salzer (Weingarten)
(erschienen in der Tangozeitung
Tangodanza 2|2001) Sus primeros Exitos Vol. 3
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